Der Siebenkampf der Frauen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2025 in Tokio lieferte eines der emotionalsten und unvorhersehbarsten Finals der letzten Jahre. Die Britin Katarina Johnson-Thompson und die US-Amerikanerin Taliyah Brooks beendeten den Wettkampf punktgleich mit 6.581 Zählern und teilen sich damit in einem seltenen Ausgang die Bronzemedaille – ein Ergebnis, das Stärke, Entschlossenheit und Fairplay beider Athletinnen unterstrich.
Johnson-Thompson, die Titelverteidigerin, ging in den abschließenden 800-Meter-Lauf mit der Aufgabe, Brooks um rund sechs Sekunden zu distanzieren, um Bronze alleine zu sichern. Sie lieferte ein starkes Rennen in 2:07,38 Minuten ab, während Brooks ihre persönliche Bestzeit auf 2:13,17 drückte.
Nach der Punkteberechnung lagen beide Athletinnen exakt gleichauf, sodass eine bange Wartezeit folgte, bis die Kampfrichter das geteilte Medaillenresultat bestätigten. Erst zum zweiten Mal in der WM-Geschichte des Siebenkampfs endeten zwei Sportlerinnen punktgleich.
Hall holt Gold, O’Connor schreibt Geschichte
Die US-Amerikanerin Anna Hall gewann mit 6.888 Punkten Gold und ist damit die erste Athletin aus den Vereinigten Staaten, die seit Jackie Joyner-Kersee 1993 den Weltmeistertitel im Siebenkampf holt. Ihr Sieg ist umso bemerkenswerter, weil sie sich nach einer Knieoperation, die sie 2024 lange außer Gefecht gesetzt hatte, zurückkämpfte.
„Es ist ein wahr gewordener Traum … Das hier in Tokio zu schaffen, fühlt sich unglaublich an.“
Kate O’Connor
Die Irin Kate O’Connor gewann Silber in nationaler Rekordhöhe von 6.714 Punkten – die erste Freiluft-Medaille im Mehrkampf für Irland überhaupt und zugleich der erste WM-Podestplatz des Landes seit zwölf Jahren.
Emotionale Wiedergutmachung für Johnson-Thompson
Für Johnson-Thompson hatte das geteilte Bronze eine ganz persönliche Bedeutung. In jenem Stadion, in dem sie bei den Olympischen Spielen 2024 eine schwere Verletzung erlitten hatte, kehrte sie nun zurück – überwältigt von Emotionen, aber entschlossen, nach vorn zu schauen. „Als ich das Stadion betrat, fing ich einfach an zu weinen“, sagte sie Reporter*innen. „Es fühlte sich genauso an wie damals, aber ich wusste, ich muss die Geschichte umschreiben.“
Triumph und Rückschläge im gesamten Feld
Belgiens dreifache Olympiasiegerin Nafi Thiam musste nach Problemen im Weitsprung aufgeben und beendete damit ihre seit 2019 andauernde Siegesserie. Großbritannien durfte sich über weitere Erfolge freuen: Amy Hunt gewann Silber über 200 m der Frauen, und Jake Wightman lief im 1.500-Meter-Rennen der Männer auf Rang zwei.
Der Siebenkampf von Tokio bleibt als Showcase für Widerstandskraft, Comeback-Geschichten und geteilte Triumphe in Erinnerung – ein Beweis dafür, dass wahre Größe im Sport oft durch Durchhaltevermögen entsteht.